Einleitung
Sizilien ist eine Insel mit tausend Gesichtern: rauchende Vulkane, barocke Dörfer, von Wind und Jahrtausenden geformte Küsten. Unter der Oberfläche öffnet sich jedoch ein anderes Reich — eine überraschend reiche Unterwasserwelt, in der das Mittelmeer in Posidonia-Wiesen, Felsriffe, Unterwasserhöhlen, steile Wände und historische Wracks erblüht. Für Taucher ist Sizilien ein heißes Ziel: auf kleinem Gebiet trifft man viele verschiedene Biotope, oftmals klares Wasser (vor allem im Sommer) und geschützte Meereszonen, die eine üppige Fauna bewahren. Ob du Anfänger bist und eine betreute Einsteiger-Tauchgang suchst oder erfahrener Taucher auf der Jagd nach tiefen Bögen, Gruppierungen von Zackenbarschen und Barrakudabänken — Sizilien hat den passenden Spot für dich.
Dieser Artikel stellt acht unverzichtbare Tauchplätze rund um Sizilien vor, ausgewählt nach Vielfalt (Höhlen, Drop-offs, Posidonia-Wiesen, Riffe, Wracks), Zugänglichkeit und der Fülle an Unterwasserbegegnungen. Zu jedem Spot findest du eine lebendige Beschreibung, praktische Infos (Startadresse des Hafens oder des nächsten Tauchzentrums, übliche Zeiten, Preisrahmen für Ausfahrten und Kurse) sowie lokale Tipps zur besten Jahreszeit, empfohlener Ausrüstung, Sicherheit und zum umweltbewussten Verhalten in diesen empfindlichen Lebensräumen.
Sizilien beherbergt mehrere Schutzgebiete — etwa das Meeresreservat von Ustica oder die Zone um den Plemmirio — in denen die Regeln streng sind: für manche Tauchgänge ist eine vorherige Genehmigung nötig, es gibt Quoten und Vorgaben für Boote. Informiere dich deshalb unbedingt bei den örtlichen Clubs, buche über zugelassene Anbieter und befolge gewissenhaft die Anweisungen der Guides. Abgesehen von Vorschriften ist Tauchen in Sizilien eine Feier der mediterranen Biodiversität: rote Gorgonien, farbenfrohe Schwämme, Schwärme von Sprotten, neugierige Muränen, einsame Zackenbarsche, gelegentlich Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) und vor den Pelagischen Inseln manchmal seltenere pelagische Arten.
Die Planung deiner Sizilien-Reise umfasst außerdem Landlogistik: Fähr- oder Inselflüge, Unterkünfte in Hafennähe und Mietwagenoptionen, um abgelegene Einstiegspunkte zu erreichen. Dieser praktische Guide will dir konkrete, nutzbare Anhaltspunkte geben — Adressen, typische Zeiten, Richtpreise — und lädt gleichzeitig zu verantwortungsvollem Erkunden ein. Pack deinen Anzug, prüfe dein Level, und lass uns gemeinsam in die acht Tauchspots eintauchen, die auf Sizilien niemand verpassen sollte.
1. Meeresreservat Ustica — Grotta dei Gnattoni und Secca dei Faraglioni
Das Meeresreservat von Ustica, rund um die Insel Ustica nördlich von Palermo, gilt oft als die „Schwarze Perle“ des sizilianischen Tauchens. Seit 1986 geschützt, umfasst es mehrere Sektoren und bietet eine beeindruckende Dichte an Höhlen, Bögen, Wänden und Drop-offs. Zwei ikonische Plätze sind die Grotta dei Gnattoni (eine Unterwasserhöhle, die erfahrene Taucher wegen ihres Lichtspiels und ihrer Riffbewohner anzieht) und die Secca dei Faraglioni (ein Felsplateau, umgeben von tiefem Wasser — ideal, um Zackenbarsche, Dentex und Schwärme von Sars zu beobachten).
Startadresse: Porto di Ustica, Via Marina, 90010 Ustica (PA). Anzahl Tauchbasen: mehrere lokale Betreiber (z. B. Dive Center Ustica, Ustica Diving Center) arbeiten von der Marina aus. Übliche Zeiten: Die Zentren öffnen meist zwischen 08:30 und 09:00 und bieten tagsüber zwei Bootsfahrten an (Morgen und Nachmittag), genaue Zeiten je nach Saison. Richtpreise: Bootsausfahrt mit 2 Tauchgängen ~70–110 €; Leihausrüstung komplett ~25–40 € pro Tag; geführter Einzel-Tauchgang ~40–60 € pro Tauchgang. In der Hochsaison (Juli–August) ist Vorreservierung sehr empfehlenswert.
Stimmungsbild: Unter der Oberfläche der Grotta dei Gnattoni schafft das gefilterte Licht silbrige Heiligenscheine an den von roten Schwämmen und Anemonen bedeckten Wänden. Fische ziehen in geordneten Wellen dahin; Schwärme von Sardellen und Sprotten bilden einen beweglichen Vorhang. Die Secca dei Faraglioni bietet ein anderes Schauspiel: zerklüftete Felsformationen mit Korallenhäufchen, in deren Nischen Muränen und Congerlaiche lauern. Tauchgänge beginnen oft in gut erreichbaren Tiefen (10–20 m) und können für Fortgeschrittene an Drop-offs bis 30 m und tiefer führen.
Lokale Tipps: Sei mindestens 30 Minuten vor Boarding im Hafen und führe dein Tauchzertifikat und Logbuch mit. Im Frühling und Herbst empfiehlt sich ein 5-mm-Anzug; im Sommer reicht meist ein 3–5 mm-Anzug, je nach Kälteempfindlichkeit. Die Sicht ist meist exzellent (15–30 m), kann aber bei Mistral oder Flusszuflüssen im Herbst leiden. Bevorzuge Morgenfahrten für ruhigere See und aktivere Tierbeobachtungen.

2. Ägadische Inseln — Favignana: Nido dell’Aquila und Grotta Perciata
Die Ägadischen Inseln vor Trapani sind bekannt für türkisblaues Wasser und felsige Untergründe. Favignana, die am leichtesten erreichbare Insel, beherbergt bemerkenswerte Spots wie das Nido dell’Aquila (ein felsiger Drop-off, reich an Gorgonien und Zackenbarschen) und die Grotta Perciata (eine spektakuläre Unterwasserhöhle, die flache Kammern mit dunkleren Durchgängen verbindet). Je nach Route sind diese Plätze sowohl für mittlere als auch erfahrene Taucher geeignet.
Startadresse: Porto di Favignana, Via Vittorio Emanuele III, 91023 Favignana (TP). Empfohlene Basis: Blu Divers Favignana, Via Roma 25, 91023 Favignana (TP). Übliche Zeiten: Tauchzentren sind in der Hochsaison meist von 09:00 bis 18:00 geöffnet, mit Ausfahrten am Morgen und Nachmittag. Richtpreise: Kennenlern-Tauchgang 1 Tauchgang ~55–80 €; Paket 2 Tauchgänge ~90–140 €; Leihausrüstung (Regler/Tauchcomputer) ~15–30 € pro Tag. Einige Basen bieten PADI Open Water Kurse ab etwa 350 € an.
Stimmungsbild: Das Nido dell’Aquila offenbart sich als Abfolge von Felsplatten und Tunneln mit üppigem Leben. Rote Gorgonien prägen die Szenerie; Zackenbarsche, teils sehr große Exemplare, halten sich in ihren Verstecken auf und beobachten die Taucher mit gemächlicher Neugier. Die Grotta Perciata spielt mit Licht und Schatten durch natürliche Bögen, während Posidonia-Wiesen an den weißen Sandflächen streifen. Rund um Favignana trifft man oft Schwärme von Sprotten, oblade und gelegentlich Seenadeln oder Dentex.
Lokale Tipps: Favignana lässt sich gut per Fahrrad oder kleinem Roller vom Hafen erkunden; rechne 15–20 Minuten bis zur Tauchbasis. Felsgründe können scharfkantig sein — Vorsicht bei Kontakt mit Felsen, und bei Bedarf Handschuhe nutzen, sofern die lokale Regelung das gestattet. Im Sommer machen fehlende Strömungen die Tauchgänge einfacher; bei Nordwestwind (Maestrale) kann jedoch Schwell das Einstiegshandling von kleinen Booten erschweren. Sonnencreme und ausreichend Trinkwasser nicht vergessen — Hydration ist wichtig vor und nach dem Tauchen.

3. Marettimo (Ägadische Inseln) — Secca del Formica und Grotta del Cammello
Marettimo ist die wilde Seele der Ägadischen Inseln: bergiger und weniger besucht, bietet sie anspruchsvollere Tauchgänge und gut erhaltene Meereslandschaften. Zwei Hauptplätze sind die Secca del Formica, bekannt für ihr Felsplateau inmitten tiefen Wassers mit starker Zackenbarsche-Präsenz, und die Grotta del Cammello, eine breite und fotogene Höhle mit unterwasser-Stalaktiten in relativ geringer Tiefe.
Startadresse: Porto di Marettimo, Via Bivona, 91010 Marettimo (TP). Empfohlene Basis: Marettimo Diving Center, Via Porto 1, 91010 Marettimo (TP). Übliche Zeiten: Büros geöffnet 08:30–12:30 und 15:30–19:00; Ausfahrten wetterabhängig, oft am Vormittag. Richtpreise: Tour mit 2 Tauchgängen ~95–150 € (ggf. Transfer von Favignana oder Trapani inklusive); Leihausrüstung komplett ~25–40 €; geführte Spezialtauchgänge ~45–70 € pro Tauchgang. Die Anreise nach Marettimo erfordert manchmal eine Umsteigeverbindung ab Favignana — Fahrpläne prüfen.
Stimmungsbild: Die Secca del Formica ist wie ein Unterwassergarten: ein flachgründiges Relief (15–25 m) mit vielen Ritzen und Verstecken voller Leben. Zackenbarsche finden hier Schutz; Schwärme von Meeräschen und Sprotten wirbeln über den Felsformationen. Die Grotta del Cammello lädt zu ruhigen, kontemplativen Tauchgängen ein: im Inneren formen die Gesteinsstrukturen natürliche Bilderrahmen, in denen Garnelen und Borstenwürmer Unterschlupf finden. Die Sicht ist oft hervorragend, und im Sommer kann das Wasser 24–26 °C erreichen.
Lokale Tipps: Marettimo hat weniger Infrastruktur als Favignana — nimm Bargeld für kleine lokale Läden und Bars mit. Ausfahrten hängen stark von der See ab; bei Schwell können Bootsverbindungen ausfallen. Für Höhlenfotografie ist eine starke Lampe sinnvoll — das natürliche Licht ist zwar schön, reicht aber selten für gute Aufnahmen. Beachte streng geschützte Zonen und folge den Anweisungen der Guides, um die Tierwelt in den Spalten nicht zu stören.

4. Lampedusa — Isola dei Conigli (Rabbit Beach) und Lampione Bank
Lampedusa, die größte der Pelagischen Inseln, ist berühmt für paradiesische Strände und spektakuläre Tauchplätze. Die Isola dei Conigli bietet kristallklares Wasser und seichte Bereiche, die ideal für die Biodiversität sind, während das entfernte Plateaus Lampione Bank ein pelagischer Spot ist, an dem größere Arten und wandernde Schwärme auftreten können.
Startadresse: Porto di Lampedusa, Via Porto Romano, 92010 Lampedusa (AG). Empfohlene Basis: Lampedusa Diving Center, Via Messina 4, 92010 Lampedusa (AG). Übliche Zeiten: Hochsaison (Mai–Sept): geöffnet 08:00–19:00 mit täglichen Ausfahrten; außerhalb der Saison eingeschränkte Zeiten und weniger Touren. Richtpreise: Bootsausfahrt mit 2 Tauchgängen ~100–160 €; Bank-Tauchgang (ganzer Tag) ~120–200 €; Leihausrüstung komplett ~30–50 € pro Tag. Lampione Bank kann längere Fahrtzeiten und zusätzliche Kosten erfordern.
Stimmungsbild: Um die Isola dei Conigli wechseln sich Posidonia-Wiesen, felsige Drop-offs und Sandflächen ab — perfekte Futtergründe für Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta), die hier häufig nach Nahrung suchen. Das Wasser ist intensiv blau und die Sichtweite kann über 30 Meter betragen. Lampione Bank dagegen ist ein isoliertes Unterwasserplateau, das pelagische Fische anzieht: Störe, Thunfische bei gelegentlichen Jagden und manchmal große Jackfische. Diese Tauchgänge sind eher etwas für erfahrene Taucher, da Strömungen und Tiefen eine Rolle spielen können.
Lokale Tipps: Lampedusa ist per Flug von Palermo oder Catania erreichbar und in der Saison per Fähre. Buche Lampione-Bootsausflüge im Voraus — diese sind limitiert und stark nachgefragt. Je nach Saison reicht ein 3–5 mm-Anzug; für Schnorchelgänge an Rabbit Beach genügt oft ein Shorty. Respektiere die Regeln zum Schutz der Schildkröten: nicht füttern, nicht berühren, Abstand halten und kein Blitzlicht bei Nahaufnahmen benutzen.

5. Plemmirio (Naturschutzgebiet Riserva Naturale Orientata del Plemmirio) — Syrakus: Grotta dei Gamberi und Secca della Madonnina
Das Naturschutzgebiet Plemmirio südöstlich von Syrakus ist eine geschützte Meereszone mit einer Folge von Buchten, Drop-offs und kleinen Inseln. Spots wie die Grotta dei Gamberi (bekannt für dekorative Garnelen und kleine kryptische Fauna) und die Secca della Madonnina (ein tiefes Felsriff, das eine starke Anziehungskraft auf Fische ausübt) sind besonders artenreich und liegen nah an der historischen Stadt Syrakus.
Startadresse: Centro Sub Siracusa, Via Bosco Minniti 2, 96100 Siracusa (SR) — leichter Zugang vom Porto Grande. Übliche Zeiten: Zentren öffnen in der Saison meist 09:00–19:00, mit Morgenausfahrten und gelegentlichen Touren am späten Nachmittag. Richtpreise: Ausfahrt mit 2 Tauchgängen ~70–120 €; Leihausrüstung ~20–35 € pro Tag; thematische Tauchgänge (Makrofotografie) ~50–80 €. Manche Plätze in der Reserve erfordern je nach aktueller Regelung eine Genehmigung oder eine kleine Ökosteuer (einige Euro).
Stimmungsbild: Schon beim Einstieg spürt man die Nähe zur Stadt und zugleich die unberührte Natur. Die Grotta dei Gamberi ist ein ruhiger Tauchgang meist in geringer Tiefe (5–20 m) — ideal für Schnuppergänge oder Makrofotografie: Garnelen, Putzergarnelen und bunte Nacktschnecken sind häufig. Die Secca della Madonnina fällt tiefer ab und zeigt Wände, an denen Zackenbarsche und Dentex patrouillieren. Nach dem Tauchen erreichst du die barocken Gassen und den Ortigia-Markt von Syrakus in wenigen Minuten — perfekt für ein erinnerungswürdiges Abendessen.
Lokale Tipps: Parke in Hafennähe beim Centro Sub Siracusa und halte etwas Bargeld für mögliche geringe Gebühren bereit. Vor allem die vorherrschenden Winde können den Zugang zu bestimmten Buchten erschweren — frag den Guide vor der Abfahrt. Vergiss nicht, nach dem Tauchen Ortigia zu besuchen — ein Restauranttipp: Trattoria La Foglia, Via Roma 10, 96100 Siracusa (SR). Ankern auf Posidonia-Wiesen unbedingt vermeiden — nutze Bojen oder vorgesehene Ankerplätze.

6. Äolische Inseln — Stromboli und Panarea: vulkanische Tauchgänge und Höhlen
Die Äolischen Inseln nördlich von Sizilien verbinden Vulkanismus und Meer auf spektakuläre Weise. Stromboli, berühmt für die Sciara del Fuoco und seine nächtlichen Eruptionen, bietet auch Tauchgänge am Fuße des Vulkans, wo alte Lavaströme Unterwasserrelief formen. Panarea hat Unterwasserhöhlen und vulkanische Böden mit einer hohen Rate endemischer Artenbildung. Diese Tauchgänge vereinen dramatische Landschaften, vulkanische Profile und mediterranes Meeresleben.
Startadresse: Porto di Stromboli, Via Marina 1, 98050 Stromboli (ME); Porto di Panarea, Via Porto 98050 Panarea (ME). Empfohlene Basen: Stromboli Diving Center, Via Marina 3, Stromboli; Panarea Sub, Via Porto 2, Panarea. Übliche Zeiten: in der Hochsaison 08:30–18:30; Ausfahrten meist morgens und gelegentlich Nachttauchgänge. Richtpreise: Ausfahrt mit 2 Tauchgängen ~90–160 € (abhängig von Entfernung und Inseltransfer); spezieller Vulkantauchgang (mit Sicherheitsbriefing) ~120–200 €. Leihausrüstung ~25–40 € / Tag.
Stimmungsbild: Vulkanische Böden liefern ungewöhnliche Farben und Texturen — verfestigte Laven, basaltische Ströme, Tunnel und Höhlen, die von Meereslebewesen besiedelt werden. In Stromboli beginnen manche Tauchgänge nahe der Sciara del Fuoco und folgen untermeerischen Kegeln und Hängen, wo schwarzes Gestein auf gelbe Schwämme und Fischschwärme trifft. Panarea wirkt intimer: Höhlen und Bögen filtern das Licht und schaffen magische Stimmungen. An der Oberfläche kann es warm sein, in der Tiefe jedoch merklich kühler — thermische Schichtungen sind hier nicht ungewöhnlich.
Lokale Tipps: Tauchrouten können durch vulkanische Aktivität und Wetter beeinflusst werden — checke lokale Warnungen und halte dich strikt an Sicherheitsanweisungen. Fährverbindungen sind begrenzt — plane Transferzeiten so, dass du keinesfalls das Rückschiff verpasst. Vulkanische Partikel sind abrasiv: spüle Regler und Divecomputer nach dem Tauchgang gründlich mit Süßwasser, um die Ausrüstung zu schonen.

7. Capo Passero — Secca del Capo und Isola delle Correnti
Südöstlich Siziliens liegt Capo Passero (bei Portopalo di Capo Passero) — ein exponiertes Kap, wo Strömungen und Biodiversität aufeinandertreffen. Plätze wie die Secca del Capo (ein Felsplateau, ideal für Taucher auf der Suche nach Begegnungen mit größeren Arten) und das Gebiet um die Isola delle Correnti (wo die Enge der Passage starke Wasseraustausche erzeugt) sind bekannt für pelagische Fische und abwechslungsreiche Unterwasserstrukturen.
Startadresse: Porto di Capo Passero, 96010 Portopalo di Capo Passero (SR). Empfohlene Basis: Capo Passero Diving, Via Marinella 1, 96010 Portopalo di Capo Passero (SR). Übliche Zeiten: geöffnet 09:00–18:00; Ausfahrten wetterbedingt, häufig morgens und am späten Nachmittag. Richtpreise: Standardausfahrt mit 2 Tauchgängen ~80–140 €; tiefere Erkundungen/längere Fahrten ~120–180 €; Leihausrüstung komplett ~25–45 € pro Tag.
Stimmungsbild: Die Secca del Capo zeigt beeindruckende Felsformationen, Überhänge voller Schwämme und eine reiche Benthosfauna — Zackenbarsche, Sars, Muränen und mitunter Schwärme von Carangiden. An der Isola delle Correnti kocht das Wasser stellenweise förmlich, mit Beschleunigungszonen, in denen pelagische Räuber zum Jagen ansetzen. Diese Tauchgänge können technisch anspruchsvoll sein: starke Strömungen, thermische Übergänge und teils große Tiefen. Die Sicht kann aber hervorragend sein, sodass man die Unterwasserlandschaft weit überblicken kann.
Lokale Tipps: Diese Plätze sind eher für erfahrene Taucher oder für Tauchgänge mit ortskundigen Guides geeignet. Prüfe Seekarten und Strömungsberichte; Guides timen oft den Start so, dass man die günstigen Gezeiten ausnutzt. Nimm einen Tauchcomputer und Sicherheitsausrüstung (Surface Marker Buoy) mit, und wenn möglich ein größeres Flaschenvolumen, um bei tiefen Tauchgängen ausreichend Luftreserve zu haben.

8. Linosa (Pelagische Inseln) — Secca del Corvo und Grotta Azzurra
Linosa, Nachbarinsel von Lampedusa, ist eine ruhigere vulkanische Insel mit einigen sehr hochwertigen Tauchplätzen. Die Secca del Corvo ist ein isoliertes Felsplateau, beliebt wegen seiner hohen Meeresdichte, während die Grotta Azzurra (Achtung: dieser Name ist in Italien mehrfach vergeben — hier ist eine spezifische Unterwasserhöhle bei Linosa gemeint) als Entdeckungs-Tauchgang mit spektakulärem Licht und Makrolebewesen besticht.
Startadresse: Porto di Linosa, 92010 Linosa (AG). Empfohlene Basis: Linosa Diving Center, Via Porto 1, 92010 Linosa (AG). Übliche Zeiten: Zentren öffnen in der Saison meist 09:00–18:00; Ausfahrten wetterabhängig, mit möglichen Kombi-Ausflügen ab Lampedusa. Richtpreise: Ausfahrt mit 2 Tauchgängen ~100–160 €; längere Bootsfahrten/Bank-Dive ~140–220 €; Leihausrüstung komplett ~30–50 € / Tag.
Stimmungsbild: Die Secca del Corvo zeigt Unterwasserlandschaften, geformt von alten Lavaströmen: Felsköpfe bewohnt von bunten Fischen und sandigen Arealen mit Einsiedlern und Schmerlen. Die Grotta Azzurra spielt mit dem durchfallenden Licht — ihr Inneres kann mit Anemonen und Schwämmen ausgekleidet sein, während kleine Garnelen und Krebse in Spalten hervorblitzen. Linosa ist weniger frequentiert, was oft intimere Tauchgänge und ungestörtere Foto-Möglichkeiten bedeutet.
Lokale Tipps: Linosa ist per Fähre von Lampedusa oder per Charter erreichbar — prüfe Fahrpläne und Wetterbedingungen. Die lokalen Basen sind klein und individuell — frühzeitige Buchung empfohlen. Schütze deine Elektronik mit wasserdichten Hüllen: Salz und Wind können Geräte an Land strapazieren. Nutze deinen Besuch auch für eine Wanderung zum Krater von Linosa — eine kurze Tour mit tollen Ausblicken auf das Meer und die Nachbarinseln.

Fazit
Sizilien ist weit mehr als Vulkanlandschaften und historische Dörfer: es ist auch ein herausragendes Tauchrevier, das Tauchern eine erstaunliche Bandbreite an Erlebnissen bietet. Von den Schutzgebieten von Ustica und Plemmirio bis zu entlegeneren, wilden Inseln wie Lampedusa, Linosa oder den Äolischen Inseln hat jeder Spot eigene Reize — lichtdurchflutete Höhlen, tiefe Drop-offs, Posidonia-Wiesen, isolierte Felsbänke und pelagische Tauchgänge. Diese Vielfalt macht Sizilien ideal für Taucher, die gern verschiedene Eindrücke auf engem Raum sammeln möchten.
Praktisch bedeutet die Reiseplanung, Fähr- und Flugverbindungen (saisonale Fähren, Inlandsflüge), Wetterlagen (Maestrale und Scirocco können die See stark beeinflussen) und Schutzgebietsvorschriften zu berücksichtigen. Lokale Tauchbasen sind in den meisten genannten Häfen vorhanden und stellen in der Regel die Ausrüstung — dennoch empfiehlt es sich, Maske und Tauchcomputer selbst mitzubringen. Die angegebenen Preise sind Richtwerte und variieren je nach Saison, Leistungsumfang und ob Transfers zwischen Inseln enthalten sind. Für besonders gefragte Spots (Lampione Bank, Ausfahrten ab Lampedusa, Tauchgänge in geschützten Bereichen von Ustica) unbedingt früh buchen.
Schließlich ist die Ethik des verantwortungsbewussten Tauchens entscheidend, um diese sensiblen Lebensräume zu bewahren: keine Organismen berühren, nicht auf Posidonia ankern, Anweisungen der Guides befolgen und nichts sammeln. Im Gegenzug schenkt dir das sizilianische Meer unvergessliche Begegnungen, fotogene Unterwasserlandschaften und das seltene Gefühl, Orte zu erkunden, an denen geologische und biologische Geschichte ineinanderfließen. Ob erste betreute Entdeckung in den ruhigen Gewässern von Favignana oder technischer Tauchgang an pelagischen Plateaus vor Lampedusa — Sizilien bietet Tauchgänge, die sich tief ins Logbuch einprägen werden. Pack deine Ausrüstung, respektiere das Meer und lass dich treiben — das sizilianische Unterwasserabenteuer wartet auf dich.
